Pressemeldung vom 16.08.2026

Fahrgastverband PRO BAHN fordert Einsatzreserve

Störungen und Ausfälle im Zugverkehr nehmen überhand:

Baustellen, Ersatzverkehre, Störungen und Anschlussversäumnisse: Aktuell erreichen viele Fahrgäste ihre Ziele nur mit erheblichen Verspätungen und langen Wartezeiten. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert von den Verantwortlichen im Öffentlichen Verkehr mehr Zusammenarbeit und die Bereitstellung von Einsatzreserven. Insbesondere den Freistaat Bayern als Aufgabenträger für den Nahverkehr auf der Schiene sieht PRO BAHN in der Pflicht, die vertragsgemäße Beförderung der Kunden sicherzustellen.
Erst in den letzten Wochen kam es wieder zu kurzfristigen Sperrungen auf der Kochelseebahn, aber auch auf der Werdenfelsbahn zwischen Oberau und Eschenlohe. Murnau – Oberammergau ist aktuell wieder komplett gesperrt. Die Fahrgäste der Pfaffenwinkelbahn sind besonders betroffen: Der Ersatzverkehr wegen der Dammsanierung zwischen Weilheim und Peißenberg erfordert einen zusätzlichen Umstieg in Peißenberg und ist auch wegen Straßenbaustellen in und um Weilheim „auf Kante“ genäht“. „Fahrgäste berichten uns von ausgefallenen Ersatzbussen und Zügen auf der Pfaffenwinkelbahn sowie Anschlussverlusten zwischen Bus und Zug“, so PRO BAHN-Sprecher Norbert Moy, „Zuverlässigkeit ist für Bahnkunden aber von höchster Priorität.“
Eine kurzfristige Verbesserung im Schienenersatzverkehr lässt sich nach Ansicht von PRO BAHN nur mit einer ständig verfügbaren Einsatzreserve von Bussen samt Fahrern erreichen, die im Falle von Anschlussversäumnissen oder kurzfristig anberaumten Sperrungen die Bahnkunden mit möglichst wenig Zeitverlust an ihr Ziel bringen. Die Finanzierung der Einsatzreserve könnte aus Pönalemitteln erfolgen, also aus den Strafzahlungen der Bahnunternehmen, die diese für Verspätungen an die Bayerische Eisenbahngesellschaft abtreten müssen. „Damit kämen die Pönalen direkt den Fahrgästen zugute, die von den Verspätungen und Ausfällen betroffen sind“, begründet Moy diesen Vorschlag.
Fahrgäste haben auch schon den Wunsch geäußert, die Strecke Weilheim – Schongau durchgängig mit dem Schienenersatzverkehr, also mit dem Bus, zu bedienen, damit der zusätzliche risikoreiche Umstieg in Peißenberg entfällt. Dem Vorschlag von PRO BAHN, während der sechsmonatigen Sperrung auch gleichzeitig den Streckenabschnitt Peißenberg – Schongau zu sanieren und die beiden schadhafte Dämme in diesem Bereich zu reparieren, hat die DB InfraGo leider eine Absage erteilt. Die DB InfraGo führt als Grund an, dass die Dammsanierungen sehr kostspielig seien und einen mehrjährigen Planungs- und Genehmigungsvorlauf benötigen. Deshalb bestehe an dieser Stelle noch kein Baurecht. Das bedeutet aber auch für die kommenden Jahre baustellenbedingte Zugausfälle auf der Pfaffenwinkelbahn.
Beim bayerischen Verkehrsministerium stoßen die Vorschläge von PRO BAHN für eine Einsatzreserve bislang auf taube Ohren: Auch dem Vorschlag, Schongau und Peiting während der Bauzeit über die Fuchstalbahn und einem Behelfsbahnsteig in Schongau an das Bahnnetz in Kaufering anzubinden, wollte man sich bislang nicht anschließen.
Angesichts der andauernden Qualitätsproblemen fordert PRO BAHN den Freistaat Bayern, die Verkehrsunternehmen und die Infrastrukturbetreiber dennoch auf, gemeinsam ein Konzept für kurzfristig verfügbare Einsatzreserven zu entwickeln. „Die Fahrgäste dürfen nicht diejenigen sein, auf die bei jeder Störung und jeder Baustelle das gesamte Risiko abgewälzt wird“, fordert Moy. „Wer die Verkehrswende will, muss dafür sorgen, dass die Menschen auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig an ihr Ziel kommen. Dazu gehören Reserven bei Fahrzeugen und Personal – auch wenn diese im Normalbetrieb Geld kosten.“

Rückfragen bitte an Norbert Moy, Tel.: 0172-5695975
v.i.S.d.P.: Norbert Moy