PRO BAHN Pressemeldungen aus Bayern

Herausgeber:  PRO BAHN Landesverband Bayern

Pressemeldung vom 17.06.2026

Baustellenmanagement der Deutschen Bahn im Oberland: Fahrgäste dürfen nicht länger die Leidtragenden

Der Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert die Organisation der fürs Wochenende angekündigten Bauarbeiten auf der Bahnstrecke zwischen Seefeld/Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen. Die kurzfristige Bereitstellung von Fahrplandaten, fehlende Informationen für Reisende sowie die unzureichende Berücksichtigung der Bedürfnisse verschiedener Fahrgastgruppen zeigen erneut erhebliche Defizite im Baustellenmanagement der Deutschen Bahn.

Noch bis gestern wurden für den Zeitraum vom Abend des 19. Juni bis zum Morgen des 22. Juni in den elektronischen Auskunftssystemen außer den Regionalbussen keine Zug- oder Ersatzverbindungen zwischen Seefeld/Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen angezeigt. Zuverlässige Reiseplanungen über die digitalen Auskunftssysteme waren damit bis gestern unmöglich. Auch auf der Baustellenwebseite der Deutschen Bahn waren lange Zeit lediglich Hinweise für die RB 6 zu finden, während Informationen zum ebenfalls betroffenen RE 61 fehlten. Erst wenige Tage vor Beginn der Sperrung wurden die Fahrplandaten des Schienenersatzverkehrs nun in die Auskunftssysteme eingepflegt.

„Wer Fahrgäste zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegen will, muss ihnen rechtzeitig verlässliche Informationen zur Verfügung stellen. Kurzfristig veröffentlichte Ersatzfahrpläne und der Ausschluss der Fahrradbeförderung sind kein kundenfreundliches Baustellenmanagement“, erklärt Norbert Moy, Sprecher der Regionalgruppe Oberland des Fahrgastverbands PRO BAHN.

Besonders kritisch sehen der Fahrgastverband und die touristischen Anrainergemeinden die Qualität des angebotenen Schienenersatzverkehrs. Die eingesetzten Busse bieten häufig deutlich weniger Kapazität und Komfort als die ersetzten Züge. Betroffen sind nicht nur Radreisende, sondern auch Familien mit Kinderwagen, Reisende mit größerem Gepäck, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Rollstuhlfahrende.

Gerade auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald/Seefeld wiegt die anscheinend fehlende Fahrradmitnahme besonders schwer. Die Bahn erschließt mit dem Werdenfelser Land und dem Karwendel und Wetterstein bedeutende Tourismusregionen, die in den Sommermonaten stark vom Rad- und Wandertourismus geprägt ist. Dennoch ist laut Fahrplan im Schienenersatzverkehr keine Fahrradbeförderung vorgesehen. Werden Fahrräder im Ersatzverkehr ausgeschlossen, ist die Reisekette unterbrochen und die Kunden werden von der DB allein gelassen bzgl. möglicher Ersatzbeförderungen. “Es wäre für unsere Gäste wünschenswert, wenn die DB in Zukunft den Transport aller Reisenden mitsamt ihres (Rad-)Gepäcks auch bei Ersatzverkehren von Anfang an angemessen berücksichtigt”, ergänzt Philipp Golka von der Alpenwelt Karwendel.

Dass dies möglich ist, zeigen die Österreichischen Bundesbahnen regelmäßig bei Bauarbeiten im benachbarten Tirol. Wenn auf derselben Strecke von Mittenwald nach Innsbruck Ersatzverkehr per Bus durchgeführt wird (wie zuletzt im Mai 2026), so ist wenigstens im Zweistundentakt ein Bus mit Fahrradanhänger im Einsatz, der Platz für ca 10-15 Fahrräder bietet. Generell sind in Tirol auch die meisten Regionalbusse mit Heckträgern ausgestattet, auf denen zumindest bis zu fünf Fahrräder transportiert werden können. Zum Vergleich: Die ebenfalls von der DB Regio betriebenen Regionalbusse der Linie 328 zwischen Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald und Wallgau / Kochel nutzen auch diese Option bisher nicht.

Darüber hinaus kritisiert PRO BAHN die häufig mangelhafte Gestaltung der Umstiege zwischen Bahn und Ersatzverkehr. Immer wieder werden Bahnsteige genutzt, die unnötig lange Wege oder die Nutzung von Treppen und Aufzügen erfordern. Dabei könnten vielerorts die Hausbahnsteige verwendet werden, die einen schnellen und barrierearmen Übergang zwischen Zug und Bus ermöglichen würden.

„Wenn Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstuhl, Gepäck oder Fahrrad zunächst Treppen überwinden müssen, obwohl ein direkter Umstieg möglich wäre, ist das kein kundenorientierter Ersatzverkehr“, so Norbert Moy weiter.

Ein weiteres Problem ist die oftmals fehlende Abstimmung zwischen Bus- und Zugverkehr. Fahrgäste erleben regelmäßig, dass Ersatzbusse trotz verspäteter Züge pünktlich abfahren oder umgekehrt Anschlüsse zur Bahn verloren gehen, weil keine Kommunikation zwischen den beteiligten Verkehrsunternehmen stattfindet. Dadurch werden Reisende zusätzlich benachteiligt und ihre Reise unnötig verlängert.

PRO BAHN fordert die Deutsche Bahn und die Bayerische Eisenbahngesellschaft daher auf,

- Fahrplandaten des Schienenersatzverkehrs spätestens mit Bekanntgabe der Baumaßnahmen vollständig in allen Auskunftssystemen bereitzustellen,
- Baustelleninformationen für alle betroffenen Linien zeitgleich, vollständig und übereinstimmend zu veröffentlichen,
- Schienenersatzverkehre barrierefrei und mit möglichst kurzen Umsteigewegen zu planen
- ausreichende Kapazitäten für Kinderwagen, Gepäck und Mobilitätshilfen vorzusehen
- bei Ersatzverkehren in touristisch bedeutenden Regionen grundsätzlich Kapazitäten für die Fahrradmitnahme sicherzustellen und
- die Bedürfnisse aller Fahrgastgruppen bereits bei der Planung von Baustellen und Ersatzverkehren verbindlich mitzudenken.

„Ein Schienenersatzverkehr kann nur dann als echter Ersatz gelten, wenn Information, Barrierefreiheit, Anschlusssicherung sowie die Mitnahme von Gepäck, Mobilitätshilfen und Fahrrädern von Anfang an mitgeplant werden. Die derzeitige Praxis wird diesem Anspruch vielerorts nicht gerecht, was der Tourismusregion Oberbayern schadet“, so Marco Kragulji (Landesvorsitzender PRO BAHN Bayern) abschließend.

Rückfragen bitte an Marco Kragulji, Vorsitzender LV Bayern, E-Mail: marco.kragulji@bayern.pro-bahn.de
v.i.S.d.P.: Marco Kragulji